Nach der T1 ist vor der T2

Heute ist Montag der 14. April 2014. Seit über 3 Wochen ist unsere Theoriephase „T1“ nun zu Ende. Momentan sind wir bereits in der T2a (Self Study) welche doch auch einige Gehirnaktivität voraussetzt. Es ist nun 23:00 Uhr, nach ca. 12 Stunden lernen, nur unterbrochen zur Nahrungszufuhr und für ein Schwätzchen mit meinem Mitbewohner, habe ich mich nun entschlossen meine Bücher zur Seite zu legen um diesen Bericht zu schreiben. Ich war mir nicht genau sicher zu welchem Zeitpunkt ich genau anfangen soll; Bei der Bewerbung, dem Assessment, dem ersten Aufeinandertreffen der Klasse oder doch erst beim ersten Schultag? Ich habe mich nun aber entschlossen dort mit schreiben zu beginnen wo für mich und sehr wahrscheinlich auch für alle anderen das Abenteuer so richtig begonnen hat.

Wir gehen nun ein paar Wochen zurück zum Sonntag, dem 2. Februar 2014, 17:00 Uhr. Ich habe das Vergnügen viele neue Leute kennen zu lernen mit komplett unterschiedlichen Wohnorten, Vergangenheiten, Geschichten aber hoffentlich mit einer gemeinsamen Zukunft – Linienpilot bei der Swiss zu sein. Treffpunkt war das Restaurant Runway 34 welches direkt neben dem Flughafen liegt und somit geradezu prädestiniert ist für das erste Aufeinandertreffen. Gefunden haben wir uns schnell, die Namen waren auch sofort in den Köpfen (was zugegeben bei einer Klasse von nur 9 Leuten nicht so eine Sache ist) und nach einiger Wartezeit durften wir uns dann zum kulinarischen Flug nach Wien auf unseren Plätzen einfinden. (Besten Dank an Simon für die Organisation). Das Essen war lecker, die Konversationen interessant und die Rechnung teuer. Am Ende des Abends machte sich dann jeder wieder in eine andere Richtung auf den Heimweg, alle jedoch mit freudiger Erwartung was die nächsten Monate so mit sich bringen werden.

Der erste Tag in der SAT begann wie wohl überall mit einer Vorstellungsrunde. Wir sahen zum ersten Mal unsere neuen Klassenlehrer und einen Teil der SAT Mitarbeiter und durften anschliessend auch einige Worte über uns selbst erzählen. Nachdem alle wussten, dass Bochum 50km nordöstlich von Düsseldorf ist wurde uns dann mitgeteilt was unsere Kursziele sind, was von uns erwartet wird und wie unsere Zukunft aussehen kann wenn alles wie gewünscht abläuft. Anschliessend wurde uns von der Administration bergeweise Formulare zum ausfüllen sowie Garderobenschlüssel und Badges verteilt. Nach einigen Introductions war es dann soweit. Wir durften mit grosser Spannung die von allen gefürchtete blaugelbe Kiste voller Material in Empfang nehmen. Da nicht alles darin Platz fand wurden uns dann auch noch gleich eine Tragtasche und ein Crewtrolley mitgegeben. Die Materialabgabe war dann auch schon der Abschluss des ersten Tages und das nach Hause schleppen der Bücher die erste grosse Herausforderung.

Die anschliessenden Wochen vergingen wie im Flug. Wir hatten Unterricht in den Fächern:

Airlaw Rechte, Gesetze und Bestimmungen in der Luftfahrt
Aircraft General Knowledge Aus welchen Teilen ist ein Flugzeug zusammengesetzt und wie funktioniert das Ganze? (Natürlich als Generic zu betrachten)
Instrumentation Was zeigen die ganzen Instrumente im Cockpit an?
Mass & Balance Wie belade ich mein Flugzeug damit es auch in der Luft bleibt?
Performance Krieg ich den Vogel bei 500m Pistenlänge überhaupt hoch und wenn ja, wie lange wird er wohl oben bleiben?
Flight Planning Wie komme ich von A nach B und was muss ich dabei beachten?
Human Performans & Limitations Was hält mein Körper aus und wann sollte ich sicher nicht fliegen?
Meteorology Lässt es das Wetter zu, dass ich heute Nachmittag noch fliege? Oder Morgen? Oder Übermorgen? Und was sind denn diese ominösen Altocumulus lenticularis die mein Flugzeug zum Schaukeln bringen?
General Navigation Wie kann ich verhindern, dass ich mein Flugzeug nicht in einen Berg steuere und auch ganz sicher am richten Flughafen ankomme?
Radio Navigation Welche technischen Hilfsmittel kann ein Flugzeug haben, womit man immer den Weg findet?
Principles of Flight Wieso fliegt das schwere Ding überhaupt?
Communication VFR „Grenchen Tower, Hotel-Bravo-Charlie-Lima-Yankee ääähm, was wollte ich auch schon wieder sagen?… DISREGARD!

Das Fach Communication VFR war dann auch das erste Fach wo wir unser Wissen unter Beweis stellen konnten und das dann auch gleich noch beim BAZL! Und siehe da – Alles ging gut, die ganze Klasse hat bestanden und ist ein Schritt näher Richtung Airliner Cockpit.

Die ersten Wochen unserer Ausbildung vergingen wie im Flug. Kaum haben wir uns an den Rhythmus gewöhnt kam dann auch schon das Ende der T1 und somit die gefürchteten School Exams auf uns zu. Da hiess es noch einmal die Nacht zum Tag machen und lernen was das Zeug hält. Bestanden wurde fast alles. Hier und da fehlten leider ein paar Prozente. Weiter geht es trotzdem den zum Glück gibt es für alle hier noch eine zweite Chance das jeweilige Fach zu bestehen, denn wie wir ja am ersten Tag gelernt haben ist es das Ziel der Schule, dass alle Schüler schlussendlich die BAZL Prüfungen bestehenden und mit gutem Gewissen in den Flugdienst bei der Swiss übergeben werden können.

Fazit zu der T1 – Ich hätte nie gedacht, dass so viel Schulstoff in so kurzer Zeit in meinen Kopf passt. Aber das hat auch nur so gut geklappt weil es so richtig spannend ist. Und was ja zählt ist: Bald geht’s nach Grenchen zum Fliegen!